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Image by Changbok Ko

ÖSTERREICHISCHE SCHULE

Die Österreichische Schule ist auch bekannt als „Denkschule“. Damit ist gemeint, dass sie verschiedene Denker umfasst, die ähnliche Ansichten vertreten und ähnliche Grundannahmen getroffen haben. Neben der Österreichischen Schule gibt es beispielsweise auch die Kenianische Schule, die ebenfalls unterschiedliche Denkrichtungen verfolgt.

 

Die Bezeichnung „Österreichische Schule“ stammt daher, dass sie hauptsächlich von Ökonomen vertreten wurde, die aus Österreich, insbesondere aus Wien, stammen. Im 19. Jahrhundert war Wien das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Österreichs und spielte eine bedeutende Rolle in der Bildung und an Universitäten.

 

Die Österreichische Schule ist so formuliert, dass sie auch für Personen, die sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigen, leicht verständlich ist. Der Gründer dieser Denkschule war Carl Menger, der im Jahr 1871 seine Theorien formulierte. Von dort aus gab es weitere bedeutende Ökonomen, die in Wien lehrten. Mit der Zeit, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, verteilten sich viele dieser Denker, unter anderem in die Vereinigten Staaten.

Lässt sich die Österreichische Schule in mehrere Wellen einordnen?

Mit Wellen sind hier Generationen gemeint, in die die Ökonomen eingeteilt werden können. Die erste Generation beschäftigte sich intensiv mit der marginalen Revolution, die eine bedeutende Entwicklung in der Ökonomie darstellt. Zu diesen frühen Ökonomen zählen Figuren wie Carl Menger und Eugen von Böhm-Bawerk.

 

Später, als die Bewegung auch nach Amerika überging, kam die zweite Generation auf, zu der unter anderem Ludwig von Mises gehörte. Die dritte Generation umfasst moderne Ökonomen wie Saifedean Ammous, der das Buch „Der Bitcoin Standard“ geschrieben hat. Er zählt zu den modernen Ökonomen, die jedoch ähnliche Thesen und Grundlagen vertreten, diese aber auf die moderne Zeit übertragen.

Welchen Ansatz verfolgt die Österreichische Schule?

Die Österreichische Schule unterscheidet sich von anderen Denkschulen durch ihren starken Fokus auf das Individuum. Bei der Analyse einer Theorie oder eines wirtschaftlichen Phänomens wird zunächst untersucht, welche Anreize und Bedürfnisse das Individuum hat und wie es sich verhalten könnte. Daraus ziehen die Ökonomen Schlussfolgerungen, die auf größere Menschengruppen oder die gesamte Volkswirtschaft angewendet werden können.

 

Im Gegensatz dazu gehen viele andere Schulen oft mehr von einem staatlichen oder zentralen Ansatz aus. Zum Beispiel analysiert eine Zentralbank, wie sie die Geldmenge optimal steuern kann, um positive Auswirkungen auf die Individuen zu erzielen. Diese Schulen betrachten eher, welche Gesetze erlassen werden können, um ein optimales Ergebnis zu erreichen.

 

Wer eher Top-Down denkt, sieht sich häufig in der Rolle der Regierung und fragt, wie die Geldmenge angepasst werden muss oder welche Gesetze erlassen werden sollten, damit die Wirtschaft wächst und die Nachfrage angeregt wird. In dieser Denkweise wird der Fokus auf Größenthemen wie das Bruttoinlandsprodukt gelegt.

 

Ein Ökonom der Österreichischen Schule hingegen würde fragen: Welche Anreize und Bedürfnisse haben die Individuen? Wie verhalten sich die Menschen in bestimmten Situationen, und welche Reaktionen zeigen sie auf erlassene Maßnahmen?

 

Diese Perspektive ermöglicht es, die gesamtwirtschaftliche Entwicklung besser zu verstehen. Diese unterschiedlichen Denkansätze können auch in vielen Alltagssituationen angewendet werden, indem man die wirtschaftlichen Aspekte auf individuelle Bedürfnisse und Verhaltensweisen überträgt.

Österreichische Schule hat einen sozialwissenschaftlichen Ansatz

Im Gegensatz zu dem heute häufig verwendeten mathematischen Ansatz verfolgt die Österreichische Schule einen sozialwissenschaftlichen Ansatz. Sie geht davon aus, dass der Wert subjektiv ist. Das bedeutet, es gibt keinen übergeordneten Wert, den jemand vorschreiben oder vergleichen könnte. Man kann nicht einfach sagen, dass es optimal ist, einer Person einen bestimmten Betrag zu geben, während einer anderen ein anderer Betrag gegeben wird.

Der Wert wird nur vom Individuum wahrgenommen. Jeder weiß, was für ihn wertvoll ist, kann aber nicht präzise quantifizieren, wie viel mehr etwas wert ist im Vergleich zu etwas anderem. Vielmehr gibt es eine Hierarchie der Werte: Das, was einem am meisten wert ist, steht ganz oben, gefolgt von weiter unten stehendem Wert.

Aus diesem Grund sieht die Österreichische Schule wenig Nutzen in rein mathematischen Modellen. Sie argumentieren, dass solche Modelle oft nicht in der Lage sind, die wirtschaftlichen Realitäten adäquat abzubilden. Stattdessen laufen sie Gefahr, in Probleme zu geraten, weil sie versuchen, die Wirtschaft anhand einzelner Kennzahlen zu steuern und zu optimieren. Oft kann dies mehr Schaden anrichten, als tatsächlich positive Ergebnisse zu erzielen.

Probleme des Mathematischen Ansatzes

Das größte Problem des mathematischen Ansatzes ist, dass man die Bedürfnisse der Menschen nicht wirklich messen kann. Nehmen wir als Beispiel den Staat, der möchte, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Wenn dies jedoch dazu führt, dass in der Zukunft weniger Produkte und Dienstleistungen produziert werden, weil die Effizienz sinkt, entsteht ein Konflikt. Natürlich möchte niemand gerne seinen Job verlieren, aber wenn unprofitable Unternehmen weiterhin arbeiten, verschwenden sie Ressourcen und schädigen letztendlich die Wirtschaft langfristig.

 

Es muss also eine Entscheidung getroffen werden: Möchte man alle Arbeitsplätze unbedingt erhalten, auch wenn dies langfristig negative Konsequenzen mit sich bringt? Diese Abwägung lässt sich nicht mathematisch lösen. Sie ist eine individuelle Entscheidung, die nur das Betroffene selbst beurteilen kann.

 

Man sollte sich selbst fragen: „Will ich meinen Arbeitsplatz behalten, auch wenn ich in Zukunft vermutlich weniger verdienen werde, möglicherweise weil ich keine Aufstiegsmöglichkeiten habe und erkenne, dass ich in einer Sackgasse stecke? Oder bin ich bereit, einen Schritt zu wagen, zu kündigen und in ein anderes Unternehmen zu wechseln, wo ich mehr verdienen kann?“

 

Diese Entscheidungen sind sehr persönlich und hängen auch von Umweltfaktoren ab. Man kann nicht pauschal sagen, was die „richtige“ Entscheidung ist, basierend auf mathematischen Modellen. Vielmehr spielen individuelle Präferenzen und äußere Einflüsse eine wesentliche Rolle.

Weitere Unterschiede zur Österreichischen Schule und zur heutigen Ökonomie

Die Unterschiede ergeben sich aus den zuvor genannten Grundlagen. Wenn man akzeptiert, dass es schwierig ist, individuelle Bedürfnisse mathematisch abzubilden, folgt daraus, dass man dem Individuum viel mehr Entscheidungsfreiheit gewähren sollte. Wenn der Wert subjektiv ist, dann ist die Person selbst am besten in der Lage, zu entscheiden, was für sie am besten ist.

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Die meisten Ökonomen der Österreichischen Schule lehnen daher Zwang ab und plädieren für einen Minimalstaat, der nicht stark in das Leben der Menschen eingreift. Sie argumentieren, dass externe Eingriffe nicht besser sein können als die Entscheidungen, die die Individuen selbst treffen. Diese Überzeugung führt zu weiteren Schlussfolgerungen, wie zum Beispiel der Notwendigkeit, geringe Steuern zu haben und möglichst wenig Regulierung anzustreben.

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Zudem denken sie, dass staatliches Geld, das zentral kontrolliert wird und dessen Erzeugung willkürlich entschieden wird, vermieden werden sollte. Dies bezieht sich auf die Fragen, wie Geld geschaffen wird, wer es erhält und welche Entscheidungen darüber getroffen werden.

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In Bezug auf Zeit gibt es auch den Aspekt der Zeitpräferenzen. Individuen haben unterschiedliche Vorlieben hinsichtlich der zeitlichen Verteilung von Konsum und Ersparnissen, was weiter verdeutlicht, wie subjektiv wirtschaftliche Entscheidungen sind.

Was sind Zeitpräferenzen?

Zeitpräferenzen beziehen sich darauf, wie man den Wert von etwas, das man jetzt erhält, im Vergleich zu dem bewertet, was man in der Zukunft bekommen könnte. Zum Beispiel: Wenn ich morgen ein neues Auto bekomme, ist mir das definitiv lieber, als wenn ich erst in zehn Jahren eines bekomme. Wenn mir jedoch angeboten wird, in zehn Jahren zwei Autos zu erhalten statt eines heute, würde ich das Angebot überdenken.​

 

Es gibt also einen Punkt, an dem man sagt: „Das ist für mich gleichwertig.“ Dieses Prinzip lässt sich auch auf Geld übertragen. Möchtest du 100 Euro jetzt oder 200 Euro in einem Jahr? Personen mit hohen Zeitpräferenzen möchten, dass sie ihre Belohnungen sofort erhalten. Ein Beispiel hierfür sind Drogenabhängige, denen es egal ist, ob sie in einem Jahr 100.000 Euro bekommen — sie brauchen ihr Geld sofort für ihren Stoff.​

 

Im Gegensatz dazu verfügen Menschen mit niedrigen Zeitpräferenzen über langfristiges Denken. Sie könnten sagen: „Ich brauche die 100 Euro jetzt nicht. Es ist mir auch recht, wenn ich in einem Jahr dafür 105 Euro bekomme.“ Diese Zeitpräferenzen beeinflussen viele wirtschaftliche Effekte, darunter den Konsum, die Investitionsbereitschaft und die Höhe der Zinssätze.

 

Leider führt unser Fiat-Geldsystem dazu, dass Menschen eher zu höheren Zeitpräferenzen neigen. Das Geld, das sie verdienen, verliert kontinuierlich an Wert, was sie daran hindert, langfristig zu denken. Sie müssen ständig darauf achten, dass ihre Ersparnisse nicht an Wert verlieren, was sie dazu zwingt, kurzfristige Entscheidungen zu treffen.

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Eine solche kurzfristige Orientierung hat weitreichende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Ein Beispiel ist die ineffiziente Nutzung von Ressourcen: Durch hohe Zeitpräferenzen neigen wir dazu, Ressourcen schneller zu konsumieren und unseren Planeten zu belasten, indem wir in Dinge investieren, die wir möglicherweise nicht benötigen. Es ist wichtig, bei der Diskussion über "Berauben" vorsichtig zu sein, da dieser Begriff vermenschlicht ist. Vielmehr handelt es sich um Ineffizienz und Verschwendung, nicht um tatsächliches Berauben.

Wirtschaftszyklen in der Österreichischen Schule

Die Österreichische Schule erklärt Wirtschaftszyklen anders als andere Denkschulen. Sie argumentiert, dass diese Zyklen vor allem dadurch entstehen, dass die Geldmenge oder die Kredite weit über das Maß ausgeweitet werden, das auf dem freien Markt zur Verfügung steht.

 

Nehmen wir ein Beispiel: Wenn ich bereit bin, auf 100 Euro zu verzichten, um in der Zukunft 105 Euro zu erhalten, spiegelt das einen realistischen Kreditprozess wider. Wenn jedoch sehr viel Geld gedruckt wird, entsteht eine Situation, in der auf dem Markt mehr Geld vorhanden ist, als die Marktteilnehmer voraussichtlich benötigen.

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Ein Überfluss an Geld führt dazu, dass die Leute anfangen zu investieren, weil sie glauben, dass in der Zukunft eine hohe Nachfrage bestehen wird. Dadurch entsteht ein wirtschaftlicher Boom. Oft wird jedoch nicht berücksichtigt, dass die Preise ebenfalls steigen und Ressourcen knapp werden.

 

 

Nehmen wir an, jemand baut ein Haus: Wenn die Materialien während des Bauvorhabens teurer werden und das Projekt nicht abgeschlossen werden kann, entsteht ein Überhang an halbfertigen Bauprojekten. Dies ist ein Phänomen, das beispielsweise während der Immobilienkrise 2008 zu beobachten war. Solch ein Missmanagement führt zu einer massiven Verschwendung von Ressourcen, die nicht optimal genutzt werden.

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Wenn der Handel jedoch auf freiwilliger Basis zwischen den Individuen stattfindet, treten solche großen Formen der Verschwendung seltener auf. Eine effizientere Ressourcennutzung wäre möglich, da die Marktteilnehmer besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse und Kapazitäten reagieren könnten.

Politik innerhalb der Österreichischen Schule

Innerhalb der Österreichischen Schule gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, welche Rolle der Staat im wirtschaftlichen Geschehen spielen sollte. Generell befürworten die Vertreter dieser Schule nicht einen großen Einfluss des Staates. Ein starker staatlicher Einfluss könnte als eine Richtung in Richtung Sozialismus oder Kommunismus interpretiert werden, wo viele Entscheidungen vom Staat getroffen werden – beispielsweise hinsichtlich der Produktion, der Zuteilung von Arbeitsplätzen und sogar der Zuweisung von Wohnungen.

Die Mehrheit der Ökonomen der Österreichischen Schule unterstützt ein Konzept eines Minimalstaats. Dieser Staat könnte sich auf grundlegende Aufgaben wie das Gerichtssystem, die Landesverteidigung und andere essentielle Funktionen beschränken. Alle anderen Aspekte des Lebens würden den Individuen überlassen. Dies würde auch niedrigere Steuern bedeuten.

Einige Vertreter der Schule plädieren sogar für die Idee von freien Privatstädten, die noch weniger zentralen Einfluss und Steuerung haben. In diesem Modell schließen die Bewohner Verträge mit einem Betreiber, der bestimmte Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellt. Alternativ könnte man außerhalb der Zivilisation leben, wo staatliche Einflussnahme praktisch nicht existiert.

Allerdings betrifft dies nicht viele Menschen, da die meisten in irgendeiner Form von Gemeinschaft leben. Die zentrale Idee der Österreichischen Schule ist ein freiwilliges Zusammenleben, bei dem die Freiheit des Individuums maximiert wird. Diese Freiheit wird gefährdet, wenn es einen starken zentralen Einfluss gibt und viele Entscheidungen von einer zentralen Stelle getroffen werden.

Wie könnte man einen Umschwung realisieren?

Ein Umschwung ist kein Entweder-Oder, sondern eine graduelle Angelegenheit. Zum Beispiel war in der DDR nicht alles vollständig staatlich gelenkt; es gab auch private Betriebe, auch wenn die staatliche Kontrolle stark ausgeprägt war. Das Pendel neigt sich also stark in Richtung staatlicher Kontrolle, und es ist möglich, dieses Pendel wieder mehr in Richtung Individuum zu bewegen.

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Dafür könnte man staatliche Regulierungen zurückziehen oder abschaffen. Man könnte die Steuern verringern und den Menschen mehr persönlichen Freiraum lassen, sodass sie ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können. Weniger Gesetze würden das Zusammenleben nicht von oben diktieren. Diese Veränderungen sind durchaus machbar.

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Natürlich würde ein radikaler Ansatz, der all diese Änderungen auf einmal umsetzt, wahrscheinlich nicht von vielen befürwortet werden. Daher ist es sinnvoller, einen graduellen oder parallelen Aufbau des Systems anzustreben. Wenn jemand mehr Freiheit und Entscheidungsgewalt im Leben möchte, könnte er beispielsweise in eine Stadt ziehen, in der die Gesetze persönlicher Freiheit und geringere Steuerlasten fördern.

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Ich denke, dass dieses Modell am wahrscheinlichsten zukunftsträchtig ist und für viele sinnvoll erscheint. Veränderungen sollten schrittweise erfolgen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich an neue Bedingungen anzupassen, anstatt von heute auf morgen radikale Änderungen einzuführen, was die meisten Menschen ablehnen würden.

Wie könnten Gesetze der Österreichischen Schule aussehen?

Die Österreichische Schule selbst befasst sich hauptsächlich mit wirtschaftlichen Perspektiven und Philosophien, weniger mit konkreten gesetzlichen Regelungen. Dennoch kann man sagen, dass viele Befürworter dieser Schule einen stärkeren Fokus auf dezentrale Systeme legen.​

 

Ein interessanter Punkt hierzu ist das Konzept von dezentralen Jury-Systemen. In Deutschland, zum Beispiel, entscheiden hauptsächlich Richter über Strafen und rechtliche Fragen. Im Gegensatz dazu kennen viele aus den USA das Modell, bei dem zwölf Jurymitglieder über den Ausgang eines Falles entscheiden. Ökonomen der Österreichischen Schule neigen eher zu dem dezentralen Ansatz, bei dem das Recht nicht von oben auferlegt, sondern durch gesellschaftlichen Konsens gefunden wird.

 

In einem solchen System könnte jemand, der sich geschädigt fühlt, einen anderen verklagen. Nehmen wir an, jemand hat einen materiellen Schaden oder eine Körperverletzung verursacht. In diesem Fall entscheiden die Mitglieder der Gemeinschaft, die dort leben, über die Angemessenheit des Schadens und die Entschädigung, die zu leisten ist. Dieser Prozess führt über Jahre und Jahrzehnte hinweg zur Entwicklung eines Rechtsrahmens, da ähnliche Fälle immer wieder bearbeitet werden.​

 

So ist auch das Bürgerliche Gesetzbuch in Deutschland entstanden. Die Gesetze, die über Generationen etabliert wurden, wurden letztlich zusammengefasst. In einem zentralen Gesetzgebungssystem hingegen gibt es oft eine Vorgabe von oben, bei der bestimmte Ziele erreicht werden sollen. In solchen Fällen wird nicht mehr auf tatsächliche geschädigte Personen eingegangen, sondern es wird vom Staat entschieden, welches Gesetz erlassen werden muss.

 

Ein zentraler Kritikpunkt an diesem Ansatz ist, dass Gesetze oft ohne einen direkten Bezug zu geschädigten Individuen verabschiedet werden, was zu ungerechten Ergebnissen führen kann. Daher befürworten viele in der Österreichischen Schule einen dezentralen Ansatz, der sicherstellt, dass es immer einen geschädigten Betroffenen gibt, der in den Entscheidungsprozess einbezogen wird.

Was hat Bitcoin mit der Österreichischen Schule zu tun?

Wenn man die oben genannten Inhalte betrachtet, wird schnell deutlich, wie gut Bitcoin in die Ideen der Österreichischen Schule passt. Fiat-Geld wird zentral kontrolliert und von bestimmten Institutionen ausgegeben. Es wird faktisch vorgeschrieben, dass man es akzeptieren und damit zumindest seine Steuern bezahlen muss.​

 

Im Gegensatz dazu entsteht Bitcoin auf einem freien Markt, wo Individuen entscheiden, es als Zahlungsmittel zu nutzen und miteinander zu handeln. Interessanterweise sind es oft die Ökonomen der Österreichischen Schule, die als eine der wenigen Gruppen Bitcoin in seiner Bedeutung vorhersahen und erklären können, warum es sinnvoll ist.

 

Viele Mainstream-Ökonomen behaupteten, Bitcoin wäre bereits vor Jahren kollabieren müssen, insbesondere alle vier Jahre, wenn sie von der sogenannten „Schuldenblase“ sprechen. Sie argumentieren, dass Bitcoin angesichts des Fehlens zentraler Steuerung nicht überleben kann. Wenn man jedoch die Meinungen dieser Personen betrachtet, wird oft deutlich, dass sie nicht wirklich Fundiertes über Bitcoin wissen. Dies liegt daran, dass die Existenz einer zentral freien Währung nicht in ihr Denkmodell passt.

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Sie sind der Ansicht, dass es notwendig sei, von oben zu steuern, um die Gesellschaft perfekt zu gestalten. Die Ökonomen der Österreichischen Schule hingegen sprechen sich entschieden gegen diesen Ansatz aus und fordern, dass wirtschaftliche Interaktionen freiwillig und dezentral ablaufen sollten. In diesem Kontext passt Bitcoin ideal in ihr Konzept.

Welche Währung hätte noch in dieses Muster der Österreichischen Schule gepasst?

Historisch gesehen waren viele österreichische Ökonomen Befürworter des Goldstandards. Gold hat sich auf dem freien Markt als Geld etabliert und wurde in vielen Regionen, neben Silber und teilweise Kupfer, als Währung akzeptiert. Diese Metalle haben sich aufgrund ihrer Eigenschaften bewährt, und viele freiheitlich orientierte Menschen empfehlen nach wie vor den Einsatz von Gold.

 

In der älteren Generation gibt es viele, die sich möglicherweise noch nicht intensiv mit Bitcoin beschäftigt haben, und die weiterhin auf Gold setzen. Gold hat sich über lange Zeit als Wertaufbewahrungsmittel bewährt, jedoch gibt es keine Garantie, dass dies auch in Zukunft so bleibt.​

 

Ein Problem mit Gold ist, dass es leicht in staatliche Hände gelangen kann, wodurch Zentralbanken die Kontrolle darüber übernehmen könnten. Das führte historisch dazu, dass diejenigen, die das Monopol auf die Münzprägung hatten – oft die Könige oder Regierungen – neue Münzen ausgaben, die denselben Nennwert trugen, aber weniger wert waren.

 

Ursprünglich verwendeten die Menschen Gold und Silber in Form von Klumpen, was jedoch unpraktisch war, da diese schwer zu wiegen und zu messen waren. Daher wurden früh Münzen geprägt. Mit der Zeit wurde das System jedoch zentralisiert: Banken lagerten Gold und gaben Zettel aus, die den Besitz von Gold repräsentierten. Zum Beispiel stand auf einem Zettel „20 Dollar in Gold“, was bedeutete, dass der Besitzer dieses Zettels Gold in der Bank einlösen konnte. In Deutschland konnte man beispielsweise mit der Reichsmark zur Bank gehen und sein Gold abholen.​

 

Das Problem dabei war, dass, wenn viele Menschen gleichzeitig ihr Gold einlösen wollten, nur die Zettel im Umlauf waren. Banken konnten mehr Zettel drucken, als tatsächlich Gold vorhanden war. Hier zeigt sich der Vorteil von Bitcoin: Es kann direkt gehalten werden und unterliegt nicht den Risiken der Zentralisierung und der Manipulation, die mit traditionellen Währungen verbunden sind.

Kritikpunkte an der Österreichischen Schule

Ökonomen sind sich oft uneinig und haben unterschiedliche Ansichten, ähnlich wie in anderen gesellschaftlichen Debatten, beispielsweise über das Thema Ernährung. Kritiker der Österreichischen Schule argumentieren, dass zu viel Freiheit für das Individuum gewährt wird und dass eine gewisse staatliche Kontrolle und Vorgaben notwendig seien. Diese Experten im Staat könnten, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Modellen, berechnen, was am besten für die Gesellschaft ist. Wenn sie die Geldmenge steuern können, glauben sie, dass sie gezielt Unternehmen unterstützen und Menschen in Not helfen können, um eine bessere Gesellschaft zu schaffen.

In der Praxis ist jedoch oft der Zugang zu Informationen zentralisiert, und die Entscheidungsgewalt liegt in den Händen einer kleinen Gruppe von Personen, die korruptible Motive verfolgen könnten. Solche Dynamiken führen häufig zu Problemen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Notwendigkeit einer sozialen Absicherung, da ohne staatliche Eingriffe nicht sichergestellt werden kann, dass allen Menschen geholfen wird. Auch wenn die Freiheit des Individuums hoch gehalten wird, steht nicht fest, dass sie die Bedürfnisse aller befriedigt.

Die Befürworter der Österreichischen Schule argumentieren, dass die meisten Menschen bereit sind, für soziale Belange zu spenden – das zeigt die Geschichte, als der Staat eine geringere Rolle spielte. Damals waren Spenden ein bedeutender Teil des Lebens, nicht zuletzt, weil die Menschen aufgrund niedrigerer Steuern über ein höheres Einkommen verfügten.

Heute, wo der Staat viele dieser Aufgaben übernimmt, erscheint es wenig sinnvoll, zusätzlich Geld für dieselben Dinge bereitzustellen. Zum Beispiel ist es in Deutschland nicht notwendig, für den Zugang zu Krankenhäusern zu spenden. Allerdings kann diese zentralisierte Kontrolle auch zur Ineffizienz führen, etwa wenn Dienstleistungen zu teuer oder Wartezeiten zu lang werden.

Die Frage, wie viel Kontrolle sinnvoll ist, bleibt umstritten. Während die meisten Menschen nicht wollen, dass alles komplett zentral gesteuert wird, da dies zu totalitären Strukturen führen könnte, gibt es auch die Überzeugung, dass eine gewisse Regelung notwendig ist. Auf diesem Spektrum bewegen sich die Diskussionen, in denen jeder seine eigenen Prioritäten setzt: Entweder wird zu wenig Freiheit gewährleistet oder es gibt zu viel Kontrolle von oben, was Ineffizienzen zur Folge hat.

Würde unter der Österreichischen Schule das Individuum an sich diese Verantwortung auch übernehmen?

Bevor man psychologische Theorien aufstellt, kann man sich anschauen, was in der Vergangenheit passiert ist. Oft gerät in Vergessenheit, was im 19. Jahrhundert mit dem Goldstandard geschah, als wir noch 5 % Einkommenssteuern hatten – oder sogar 0 %. Zum Beispiel in den USA, wo die Einkommenssteuer 1913 eingeführt wurde. Erst sehr viel später wuchs die Größe des Staates; heute beträgt der Anteil des Staates an der Gesamtwirtschaft in Deutschland 30 bis 40 %, und während der Corona-Krise lag er sogar über 50 % der gesamten Wirtschaftsleistung.

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Früher war das nicht so, und dementsprechend gab es auch keine staatliche Absicherung. Was dann passierte, war die Bildung vieler freiwilliger Organisationen und Versicherungen, in die man für wenig Geld einzahlen konnte, um eine Krankenversicherung zu besitzen. Natürlich muss man auch berücksichtigen, dass die Technologie im 19. Jahrhundert noch nicht so weit fortgeschritten war. Dennoch hat dieses System funktioniert, da sich die Menschen gegenseitig unterstützten – besonders wenn man die betroffenen Personen gut kannte und wusste, wie bedürftig sie wirklich waren.

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Somit könnte auch eine persönliche Versorgung der Menschen gut funktionieren. Vor allem würde viel weniger Geld verschwendet, und die Bürokratie könnte verschwinden. Oft wird übersehen, dass wir mehr Obdachlose haben und dadurch mehr Geld ausgeben müssen. Das tatsächliche Problem liegt jedoch nicht nur im erhöhten Geldbedarf, sondern vor allem in der übermäßigen Bürokratie, die dazu führt, dass viele Mittel einfach verloren gehen. Diese Bürokratie wäre nicht nötig.

Wert ist subjektiv

Je kleiner die Gruppe ist, in der man sich engagiert, desto wahrscheinlicher entwickeln sich bestimmte Regeln, die tatsächlich zu den Mitgliedern passen. Man kennt das sicherlich: Jede Familie ist unterschiedlich, und es gibt bestimmte Regeln im Haushalt. Diese entwickeln sich aufgrund der Präferenzen der einzelnen Personen, und es ist einfach wahrscheinlicher, dass solche Regeln entstehen, die ein besseres Miteinander fördern, als wenn diese von oben herab entschieden werden.

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Das wirft die Frage auf, beispielsweise bei bestimmten Landesgrenzen, in denen Regeln für alle in Deutschland beschlossen werden. Aber warum haben wir nicht einfach eine große Demokratie, in der die Gesetze für die gesamte Welt gemacht werden? Man erkennt schnell, dass dies wahrscheinlich nicht optimal wäre, da unterschiedliche Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben und verschiedene Kulturen sowie Lebensweisen existieren. Es macht einfach nicht Sinn, dieselben Gesetze für alle Menschen zu erlassen. Vielmehr sollte man versuchen, die Regelungen so lokal und individuell wie möglich zu gestalten.

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Das war mein Teil zur Österreichischen Schule.

Das war ein Einblick in das Themengebiet, auch eine Ecke vom Kaninchenbau.​

 

Die Originalwerke sind in österreichischem Deutsch verfasst und können eingesehen werden. Für Anfänger empfehle ich das Buch „Die 24 wichtigsten Gesetze der Wirtschaft“ von Henry Hazlitt. Hier werden die Grundlagen erklärt. Wenn man damit durch ist oder direkt einsteigen möchte, kann ich „Menschliches Handeln“ von Ludwig von Mises empfehlen. Wer das gesamte Thema verstehen und fundiertes Wissen aufbauen möchte, sollte sich dieses Buch auf jeden Fall ansehen.

Wichtiger Hinweis

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